Wissenschaft


Die historische Literatur zum Thema Arbeitsdienst ist differenziert zu werten.
Die Entwicklung der Dienstpflichtideen und ihrer praktischen Ausgestaltung seit 1918 sind vielfach untersucht worden. Zur Geschichte des RAD seit 1935 existieren in weitaus geringerer Zahl Untersuchungen.
Anscheinend wurde die Darstellung der Geschichte einer der größten Organi-sationen des Dritten Reiches für junge Erwachsene als wenig interessant, wissenschaftlich kaum untersuchenswert und wenig publikumswirksam einge-schätzt.
Dies hat sich erst seit Ende der 90er Jahre geändert, als eine größere Gruppe junger Historiker das Thema Arbeitsdienst für verschiedene Dissertationen entdeckten.
Bis dahin bestand für die deutsche historische Wissenschaft nicht der Bedarf, tiefer und differenzierter in die Organisationsgeschichte einzudringen. Im Interesse der vorherrschenden Forschung waren die volkspädagogisch-erzieherischen Potenzen einer breiteren Beschäftigung mit dem RAD erschöpft.
Dazu kam, daß im öffentlichen Bewußtsein der Gedanke einer pflichtmäßigen oder freiwilligen Jugenddienstorganisation schon nach wenigen Wirtschaftswunder-jahren keine Rolle mehr spielte.
Schon in den fünfziger und sechziger Jahren wurden die Vorschläge ehemaliger Führer des RAD zur Schaffung eines "europäischen Jugendarbeitsdienstes" aus der öffentlichen Diskussion der Bundesrepublik bewußt verdrängt.

Die gegenwärtige ökonomische und politische Situation hat die Idee "Arbeits-dienst" wieder stärker in das öffentliche Bewußtsein rücken lassen.
Vor allem die heimatgeschichtliche Forschung entdeckte die regionalen Strukturen politischer und militärischer Organisationen wieder und stellte sie in einen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Entwicklung des Heimatgebietes.
Heute werden die Manifestationen der Geschichte wiederentdeckt, gesammelt, und restauriert. Das Bewußtsein für die ökologische und infrastrukturelle Entwicklung der Region in der Vergangenheit ist stark gewachsen.
Dazu gehören auch die Bauplätze und Wirkungsstätten des RAD.
Noch heute dienen vom Arbeitsdienst geschaffene Bedingungen der Ertrags-steigerung in der Landwirtschaft, wohnen viele Menschen in vom RAD gebauten Siedlungen oder sogar in den noch vorhandenen ehemaligen Lagerbaracken und Führerhäusern.

Das Wissen um die genauen Standorte der Lager und die Baustellen der einzelnen
Arbeitsdienst-Abteilungen ist aber fast völlig verloren gegangen.
Der historischen Forschung fehlt dazu ein breiter Bestand an Primärquellen, da die letzten Kriegstage 1945 zu schweren Aktenverlusten geführt haben.